Unter diesem Titel stand der erste Abend der ganzen Veranstaltung

Die beiden Formate von Selbst / Portrait und Portrait eines anderen sind gar nicht so verschieden, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Die klassischen Situationen von Der Maler und sein Modell oder auch das Selbst / Portrait vor dem Spiegel zeigen, dass es dabei nicht einfach um die Gegenüberstel­lung und Festschreibung zweier Seiten, sondern um ein vielschichtiges Spiel geht, in dem sich die Positionen vertauschen und verwirren. Das Selbst definiert sich durch den Anderen und ist immer in Gefahr, aus dem Prekären der eigenen Situation den Anderen zum ganz Anderen zu machen. Diese Situati­on wird in verschiedenen Beiträgen darge­stellt.

 

Robert Pfaller

Das Selbstportrait im Feind

In seiner Hymne an Italien schreibt der Dichter Theodor Däubler: «Der Feind ist unsre eigene Frage als Gestalt. Und er wird uns, wir ihn zum selben Ende hetzen.» – Nicht der schlechteste Ausgangspunkt, um über das Selbstportrait nachzudenken ist also die Gestalt des Feindes. An dieser Gestalt lässt sich demnach – übrigens ganz ähnlich wie an den Gestalten geliebter Personen – mehr über das hassende (beziehungsweise liebende) Subjekt erkennen als über das jeweilige Objekt. Freilich bleibt aber gerade diese Qualität dem Subjekt verborgen. Erkenntnis- oder Unterhaltungswert besitzt das Selbstportrait mithin eher für Aussenstehende. Ob wir es aber immer nötig haben, dass unsere Frage gerade im Feind selbstportraitierte Gestalt annimmt oder ob es auch andere Möglichkeiten gibt, eine solche Gestalt zu gewinnen und uns in ihr (mehr oder weniger bewusst) unserer Einheit antizipierend zu versichern und sie (mehr oder weniger jubilatorisch) zu begrüssen, ist eine Frage, welche die aktuelle, auf die Psychoanalyse gestützte, politische Theorie spaltet: Können wir nur über Feindbilder unsere fragilen Solidaritäten gewinnen, wie der skeptische, späte Freud meinte? Oder liefert uns der Freud von Totem und Tabu vielleicht eine ganz andere, friedliche Idee davon, wie Gesellschaften ihr Allgemeines herstelleen und – selbst unter neoliberalen Bedingungen – ihre Allmenden behalten können?

 

Olaf Knellessen

Der Attentäter

Ein Titelbild im BLICK kurz nach den Attentaten von Paris wird Ausgang sein, einerseits einige Aspekte des Selbstportraits zu diskutieren, das ja heutzutags eine besondere Aktualität durch die Selfies gewonnen hat, andererseits im differenten Bezug von Portrait und Selbstportrait – auf der Abbildung selbst – aktuelle kulturelle und gesellschaftliche Bezüge herzustellen.

 

Jasmin Ihraç und Dominique Rosales

Realness. Zum Selbstentwurf im Voguing.

Eine Kombination aus Lecture, Performance und Workshop.

Der Vortrag erklärt an der zentralen Kategorie Realness die Ausdrucksform des Voguing in ihrer historischen Entwicklung und der sich wandelnden Bedeutung für die Persönlichkeit.

In der sich anschliessenden Performance und im Workshop werden zentrale Aspekte der Lecture auf anderer Ebene nachvollziehbar bzw. für die Teilnehmerinnen direkt erfahrbar.

 

Video und Schnitt: Milos Savic

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