Moden kennt man vor allem aus der Mode, wo sie bisweilen als exzentrisches Gehabe belächelt, mit ihren wegweisenden Entwürfen und künstlerischen Kreationen aber auch gefeiert werde. Mode ist anziehend, zieht aber auch aus. Sie ist Erotik, Haut und Sexualität, Verheissung und natürlich Geschäft. Mode ist aber nicht nur Fashion, sondern Teil aller Lebensbereiche. Als Unterhaltung wird sie mit ihrer Buntheit und Frechheit, in ihrer Jugend auch geschätzt und gefragt, ernsthafte Beschäftigung scheint demgegenüber eher auf dauernde und höhere Werte zu setzen. Sind Moden in Wissenschaft und Philosophie, in Wissenschaft und Kunst, in Ökonomie und Psychoanalyse nur kurzfristige Trends, die wie Strohfeuer vergehen, oder sind sie Innovationen ohne die überdauernde kulturelle Beschäftigung und Auseinandersetzung gar nicht möglich ist? Oder mit anderen Worten: Ist vergessen nötig, um erinnern zu können?

Die Tagung zu diesem Thema präsentierte sich wie die Mode sehr vielfältig, bunt, povozierend, frisch und witzig, durchaus aber auch nachdenklich und anregend.

Schon Adorno hat davor gewarnt, Mode für überflüssig zu erklären: „Die üblichen Deklamationen gegen Mode, die das Vergängliche dem Nichtigen gleichsetzen, sind nicht nur dem Gegenbild einer Innerlichkeit gesellt, die politisch so sehr sich kompromittierte wie ästhetisch als Unfähigkeit zur Entäußerung und Verstocktheit im individuellen Sosein. Trotz ihrer kommerziellen Manipulierbarkeit reicht Mode in die Kunstwerke tief hinein, schlachtet sie nicht nur aus….“

Aber Mode unterhält nicht nur zur Kunst ein so enges und wechselseitiges Verhältnis. Nicht zuletzt die Psychoanalyse stellt das Vergängliche – als das immer schon verlorene objet du désir – ins Zentrum ihrer Theorie und ihrer Praxis. Und erzählt davon, was für ein unendlicher Reichtum an immer neuen Formen und Objekten daraus täglich und vor allem triebhaft entsteht.

Die Tagung war ein Feuerwerk von Beispielen und Anschauungen: Mode als Poesie, die fliegen kann, Mode als Stoff fürs Leben und der Literatur, Mode als Kostüm, in das man sich werfen kann, als immer neuer Entwurf fürs Leben und sie wurde zum Tanz in einer mitreissenden Performance von Vouging, einer Tanzpraxis aus der New Yorker Subkultur, bei der man sich Modelposen aneignet, mit ihnen lacht und sie so ihrer Macht auch entkleidet. Mode at it’s best!

Diese vielfältigen Eindrücke klangen auch noch in der abschliessenden Podiumsdiskussion und dem anschliessenden Apéro mit Sekt und Snacks in vielen Gesprächen nach und setzten sich in der Preisverleihung fort.

 

Die Mitglieder der Gruppe The Missing Link: Heini Bader, Olaf Knellessen, Susanne Kunz, Tamara Lewin, Angelika Oberhauser, Husam Suliman.

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