Die Preisträger*innen 2021

Am Wochenende vom 9. – 11. Juli 2021 hat die Jury getagt und war begeistert von der ausserordentlichen Qualität der Eingänge, von den vielen spannenden und grossartigen Bewerbungen, für die wir uns hiermit nochmals sehr herzlich bei allen bedanken. Es gab sehr anregende Diskussionen , viele Impulse fürs Weiterdenken und natürlich waren die Entscheidungen alles andere als einfach.

 

The Missing Link

Der Preis The Missing Link geht an Mira Kaszta und Simon Reutlinger für ihr Projekt und ihr Buch zur Intergeschlechtlichkeit.

 

Mira Kaszta und Simon Reutlinger haben sich schon seit einigen Jahren auf eine sehr engagierte Art der Frage der Intergeschlechtlichkeit angenommen und haben dabei sehr bewusst und extensiv auf den Austausch mit Betroffenen gesetzt. Aus den vielen intensiven Gesprächen haben Sie ihr Projekt weiterentwickelt und eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Vertretern anderer Bereiche – der Kunst, der Medizin, der Politik und Rechtsprechung, der Psychoanalyse und Kulturwissenschaftlern – gesucht.

Dabei haben sie nicht nur sehr viele wichtige Informationen zusammengetragen, sondern immer wieder neue Perspektiven auf dieses Thema und die Situation der Betroffenen und der Gesellschaft entwickelt. Das Buch Intergeschlechtlichkeit, das 2020 bei Brandes & Apsel erschienen ist, markiert dabei keinen Abschluss, sondern eine neue Etappe des Projekts.

Es trägt nicht nur die gesammelten Erfahrungen aus dem intensiven Austausch nach allen Seiten zusammen, sondern basiert zentral auf der Wiedergabe der Gespräche mit den Betroffenen. Dabei haben sie zudem eine Form der Darstellung gefunden, welche die Vielschichtigkeit und nicht zuletzt die Uneindeutigkeit des Themas und des Austauschs sehr eindrücklich erfahrbar macht.

Dabei haben sie nicht nur sehr viele wichtige Informationen zusammengetragen, sondern immer wieder neue Perspektiven auf dieses Thema und die Situation der Betroffenen und der Gesellschaft entwickelt. Das Buch Intergeschlechtlichkeit, das 2020 bei Brandes & Apsel erschienen ist, markiert dabei keinen Abschluss, sondern eine neue Etappe des Projekts.

Es trägt nicht nur die gesammelten Erfahrungen aus dem intensiven Austausch nach allen Seiten zusammen, sondern basiert zentral auf der Wiedergabe der Gespräche mit den Betroffenen. Dabei haben sie zudem eine Form der Darstellung gefunden, welche die Vielschichtigkeit und nicht zuletzt die Uneindeutigkeit des Themas und des Austauschs sehr eindrücklich erfahrbar macht.

Link 2 Future

Der Förderpreis Link2Future geht zu gleichen Teilen an Margaretha Jüngling / Luc Haefliger für ihr Projekt I’m the hair in your soup (Let’s be together for ever) und an Mona Freudenreich für Ihre Videos Nachtschatten I und II.

 

Margartha Jüngling / Luc Haefliger

Schon die eckigen Klammern im Titel deuten an, dass da etwas sehr zusammengehört und verklammert ist, dass es aber auch eckig, nicht einfach rund ist. Das Haar in der Suppe ist das Eckige dieser Klammer, ist das Trennende in dem Ineinander von Subjekt und Objekt, von Sound und Food, von Kochkunst und Musik. Innen und Aussen gehen nicht nur im Kulinarischen, sondern auch im Audiellen ineinander über, das Psychische verschränkt sich mit dem Sozialen, die Grenzen lösen sich auf und konfigurieren sich neu.

Es ist ein Projekt, das – ebenfalls interdisziplinär – noch umgesetzt wird, an dem man teilnehmen können wird, das dieses Verhältnis von Subjekt und Objekt durchaus konkret und vielschichtig hier in Zürich als vielschichtige Performance von Sound und Food, von Technik, Praxis und Theorie erfahrbar machen wird.

 

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Mona Freudenreich

Die beiden Videos Nachtschatten I und II versetzen in eine traumhafte, nie ganz fassbare Szenerie, die uns davon trägt in eine andere Welt, in der das Grau zu erzählen beginnt, in der es sich bewegt und Bilder einer intensiven Strahlkraft zu generieren beginnt. So leuchten die Augen nicht nur der Hasen in der Nacht, es sind auch die Augen des Traums, sie brennen von innen heraus. Es geht hin und her, vor und zurück – man könnte sagen: eine wunderschöne Darstellung dessen, was Freud mit der Rück-sicht auf Darstellbarkeit meinte.

Die Glühwürmchen sind die Augen der Nacht sind unsere Träume.

 

Shortlist

 

Angesichts des so eindrücklichen Spektrums wirklich ausgezeichneter Arbeiten hat sich die Jury entschlossen, neu eine Shortlist herauszugeben, die weitere Bewerbungen aufnimmt, die in die engste Wahl gekommen sind. Auch diese Wahl ist natürlich wieder eine Einschränkung – dessen ist sich die Jury bewusst. Man könnte sie selbstverständlich immer noch erweitern.

Auf der Shortlist des Hauptpreises figurierten zudem Rita Macebo mit ihrem Video Weeks of sand, months of ash, years of dust und Bernhard Hetzenauer mit seinem Projekt und seinem Buch Faces of Athens, beim Förderpreis war Nicklaus Hoffmann ganz nahe dran mit seinen drei Videos zu Nicklaus Hoffmann als Kunstfigur.

Bernhard Hetzenauer

Faces of Athens ist ein Projekt, bei dem Bernhard Hetzenauer eine ganze Reihe von Griech*innen zur Situation der für sehr viele existenziellen Finanzkrise in ihrem Land und den Erfahrungen befragt hat, die sie in dieser Zeit gemacht haben.

Die Interviews mit ihnen wurden als Videos aufgenommen und für deren Präsentation entwickelte er eine besondere Form, in der ihr Bild und der Ton, also die Erzählung ihrer Geschichten, auseinandergenommen wurden. So wurden diese beiden Aspekte voneinander getrennt und kamen gleichzeitig noch sehr viel intensiver zusammen. Die Faces of Athens, ihre Gesichter wurden so als Inbegriff der Person und der Persönlichkeit zu einem Medium, das weit über ihre Person und ihr persönliches Schicksal hinausgeht. Darin nahm Hetzenauer den Aspekt der griechischen Tragödie auf, die ja auch für die Psychoanalyse konstitutiv ist, indem die Maske der Darsteller, die Persona, zu einer Oberfläche wurde, aus der und durch die hindurch immer noch etwas anderes sprach – per-sona.

Rita Macedo

Das essayistische Video Weeks of sand, months of ash, years of dust nimmt die Frage der Erinnerung und ihres Verschwindens in mehrfacher Hinsicht auf. Zum einen mit der portugiesischen Kolonie Macao, deren Geschichte in den Erzählungen sich einerseits versteckt, andererseits in ästhetischen Überformungen und Mythen gleichzeitig wieder in anderer Form auftaucht. Die Geschichte von Macao verwebt sich mit der Erinnerung an ihre Mutter, die in frühen Jahren an Demenz erkrankt ist, sich dieser Geschichte Macaos in ihrer Dissertation eingehend gewidmet hat, sie aber nicht abschliessen konnte. Das Verblassen der Erinnerung bringt immer wieder neue und andere Formen ihres Auftauchens hervor. Das ist im Video mit eindrücklichen Bildern dargestellt.

Nicklas Hoffmann

In den von ihm eingereichten Videos spielt er mit nicht nur mit sich als Kunstfigur, sondern auch mit der Kunst. Ist diese eine Figur oder ist die Figur eine Kunst, wie sind die Verhältnisse dieser Produktion? Dabei zieht er ein witziges, spielerisches und anspielungsreiches Maskeradenspiel auf, das uns bei allem Lachen immer wieder irritiert und stocken und uns fragen lässt, was es damit auf sich hat.

Dabei nimmt er die modernen, sozialen Medien und das Potential ihrer Möglichkeiten, ihrer Ansteckung und Verbreitung als Phänomen auf, das uns ständig herausfordert, weil es keine eindeutige Haltung erlaubt

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