In andere Welten ging der vierte Abend der Veranstaltung

Nicht nur Totenmasken und Grabsteine sind Selbst-Portraits. Der Tod ist immer auch Pate dieses Bildes und des Selbst. Die Inschrift Erkenne Dich selbst auf dem Apollo-Tempel in Delphi war damit nicht nur philosophische Anleitung, sondern ebenso sehr der Wunsch, das Ende zu transzendieren. In diesem Sinn ist Science Fiction ein Selbst-Portrait, das den Tod überwinden soll, wie umgekehrt uns Geister, Medien und ähnliche okkulte Phänomene aus anderen Welten etwas darüber erzählen, wer wir sind und wohin wir gehen.

 

Laura Arici, Martin Jäggi

Workshop: Je(u) es un autre (Flaubert, Duchamp, Warhol, Bowie)

Wir werden in unseren Workshop Texte, Bilder und Videos der obengenannten Künst­ler in Gruppendiskussionen unter den folgen­den Gesichtspunkten analysieren und disku­tieren:

– Selbstporträt als Maskerade

– Selbstporträt als hermaphroditische Fiktion

– Selbstporträt als Rollenspiel

– Selbstporträt als Utopie des Androgyn

– Selbstporträt als Gegenentwurf zum Genie

– Selbstporträt als Erfahrung von Endlichkeit

– Selbstporträt als Ablehnung von Authentizi- tät

– Selbstporträt als Performance

– Selbstporträt als Verweigerung des Patri- achates

– Selbstporträt als Verweigerung des Phallo- gozentrismus

– Selbstporträt als Verweigerung eines Kon- zeptes vom Selbst

 

Alessandra Violi

Conjuring the selves, performing appearances

Though often disregarded by mainstream art criticism, the portraits from other worlds that captivated the fin de siècle cultural imaginary offer a fascinating counter-history of self/portraits at the dawn of modernity. Ranging from spiritualistic séances to stage magic, from psychical research to automatic writing/drawing, these attempts at conjuring appari­tions from „beyond“ the threshold of life or of the bounded self did nevertheless play with appearances, interrogating the modes of self-representation well before the advent of psychoanalysis and the avantgarde. These otherwordly manifestations – ghosts, im­prints, voices – of presumed individuality moulded by the technologies of the day confi­gure a „post-self“ whose virtual instantiations throw a sidelight on the contemporary culture of immaterial icons.

 

Simon Mettler

Der Traum als Selbstportrait? “Träum’ weiter.»

Bob Dylan hat 1970 eine Platte mit dem Titel „Self Portrait“ herausgebracht. In seiner Autobiographie sagte er dazu: „Ich habe ein Doppelalbum herausgegeben, nachdem ich alles durch ein Sieb passiert hatte. Was im Bodensatz zurückblieb, habe ich aufgezeichnet. Dann dachte ich nach, holte den Rest aus dem Ausguss und zeichnete ihn ebenfalls auf“.

Zwei Frauen verstecken sich in meiner Holzhütte. Im Dunkeln lauern sie mir auf und wollen mich erschiessen. Ich habe Angst und überlege mir, wie ich mich selber mit einer Waffe verteidigen kann. Im Halbtraum kann ich mich beruhigen. Es war nur ein Traum. Ich wache auf. Als ich wieder einschlafe, träume ich weiter. Ich bin mit Kuno Lauener von Züri West unterwegs und wir versuchen in einen Theatervorstellung, die bereits begonnen hat, einzudringen.

Eine Assoziation zum Selbstportrait und ein Traum. Ich weiss (noch) nicht genau, was das mit meinem Vortrag zu tun hat, aber habe das Gefühl es hat begonnen.

Kuno Lauener hat gerade mit Züri West eine Platte mit dem Titel ‚Love’ herausgegeben. Darauf befindet sich eine Coverversion von Bob Dylan’s ‚Don’t think twice it’s alright’. Als würde er mich augenzwinkernd beschwichtigen singt er: „Mir wei nid grüble, sisch scho rächt“.

 

Johannes Binotto

Von Angesicht zu Angesicht. Gesicher des Films.

„Wir brauchten keine Dialoge. Wir hatten Gesichter!“ erklärt die ehemalige Stummfilmdiva Norma Desmond in Billy Wilders „Sunset Boulevard“. Mit der Grossaufnahme des Gesichts entfaltet das Medium des Films seine maximale Potenz und droht dabei zugleich an seine Grenze zu kommen. Denn als Affekt-Bilder, wie sie Gilles Deleuze beschrieben hat, sind die Gesichter im Kino auch „Verdichtungs- und Siedepunkte“, wo der Lauf der Handlung stockt und der Filmstreifen durchzubrennen droht. Dieses Potential des Gesichts als begehrenswerter Höhe- und unheimlicher Endpunkt des Mediums Film, soll anhand verschiedener Filmausschnitte untersucht werden.

Video und Schnitt: Milos Savic

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